Erntebericht 2011
Ein trockenes Frühjahr und Frühsommer und nachfolgender Regenperiode vom Juli bis in den August hinein haben zu einer deutlichen Differenzierung von Erntemengen und Qualitäten in Europa geführt.
Regionen- ÜberblickDeutschland: Die Situation lässt sich wie folgt kurz charakterisieren: Braugerstenfläche Sie hat sich von einem historischen Tief im Jahre 2010 wieder erholt und ist um ca. 15 % gewachsen auf ca. 396.000 ha. Dies war vor Allem auf den nassen Herbst 2010 und den Auswinterungsschäden im langen Winter 2010/11 zurückzuführen. Gleichzeitig waren die ha- Erträge und die Qualitäten bedingt durch die Wetterkapriolen deutlich differenziert. Erntemenge: Der vermarktungsfähige Anteil mit guten Qualitäten liegt dieses Jahr ähnlich wie im Vorjahr nur bei ca. 50 %. Dieser wird allerdings nur bei Zugeständnissen seitens der Mälzereien und Brauereien hinsichtlich höherer Eiweißgehalte in den betroffenen Gebieten im Westen zu halten sein. Eiweiß: die Werte differenzieren stark. Von idealen Gehalten im Süden und Osten, hin zu Werten von weit über 12,5 % bis 14 % ausgehend von Unterfranken Richtung im Westen bis Frankreich. Sortierung: Die Sortierungen sind hervorragend, bedingt durch die mehr als ausreichende Wasserversorgung in der Kornfüllungsphase und Abreife. Wassergehalte: Da die Ernteperiode kaum Trockentage aufwies, mussten viele Partien feucht geerntet werden, wobei die Trocknungskapazitäten nicht ausreichend waren. Entsprechend liegen die Wassergehalte an der oberen Grenze. Beim Handel wie beim Bauern wurde feucht eingelagert und gemischt. Dies ist keine günstige Voraussetzung zur Verminderung der Mikroorganismenbelastung. Entsprechend ist an der Mälzereigosse größte Achtsamkeit zwingend. Erfahrung, Handbonitierung, Keimfähigkeitsuntersuchung und auch die Nase des Personals an der Gosse sind gefragt. Kornanomalien: Trotz der schwierigen Erntebedingungen sind Kornanomalien nur in geringem Umfang vorhanden. Vereinzelt ist Premalting sichtbar oder lockere Spelzen. Mikroorganismen: DON- Untersuchungen geben bislang keinen Anlass zu Befürchtungen. Wegen der erhöhten Wassergehalte bei verschiedenen Partien ist Vorsicht angeraten und die Anlieferungen werden im Zweifel nur nach Kleinmälzung und Befundfeststellung freigegeben. Die feuchten Erntebedingungen quer durch Europa und die Überforderung der aufnehmenden Hand hinterlassen Spuren. Übriges Europa:Osteuropa: Von dort wird Braugerste den Weg nach Deutschland finden. Tschechien hat gute und gesunde Gersten. Skandinavien: Die Nachrichten von dort fallen nicht besser aus als hierzulande. Die Wetterproblematik hat auch dort ihre Spuren hinterlassen. Die erhoffte Entlastung für den deutschen Markt wird deutlich geringer ausfallen als erhofft. Der Besatz mit Mikro- organismen ist erheblich. Es wurden bereits Schiffe bei den Empfängern gestoßen. Frankreich: Die Trockenheit hat zu sehr hohen Eiweißwerten geführt. Viele Kontrakte, die für Deutsche Mälzer an den Wasserwegen gedacht waren, können nicht abgewickelt werden, da die hohen Eiweißwerte die Ware in den Futtertrog zwingen. England: Im Süden wurde eine gute Ernte eingebracht. Der spät erntende Norden hat ebenfalls mit Qualitätsproblemen zu kämpfen. Gesamt- EU:Es zeigt sich eine recht unterschiedliche Situation. Dieses Jahr sind im Gegensatz zum Vorjahr die südlichen und östlichen Regionen zu beglückwünschen. Neben guten Erträgen weisen sie hervorragende Qualitäten auf. Der Westen hat mit erheblichen Eiweißproblemen zu kämpfen und im Norden scheint sich ein erhebliches Gushing- potential aufzutun. Brauweizen: Es gibt gute Qualitäten vor Allem im Süden. Ein Import aus Frankreich ist nicht zwingend notwendig. Bei guten Sortierungen und mittleren Eiweißwerten sind die vor Allem zu beachtenden Qualitätsmerkmale der Auswuchs und die fehlende Gesundheit vieler Partien. Auch beim Weizen hat der Süden und Osten die deutlich besseren Qualitäten. Malzqualitäten bei Gerstenmalz Die Gersten verarbeiten sich je nach Herkunft und Erntezeitpunkt völlig unterschiedlich, sind zum Teil extrem wasserempfindlich. Nahezu jeder Haufen muss individuell geführt werden. Die Keimenergie war bis in den späten Oktober hinein schwach entwickelt, bei skandinavischen Gersten ist sie z.T. immer noch nicht gegeben. Durch die kalte und feuchte Abreife war teils eine sehr lange Keimruhe gegeben. Doch mittlerweile ist die Keimenergie bei südlichen Herkünften durchwegs in Ordnung über 95 % Extraktgehalte von ca. 82 % und darüber werden bereits jetzt von keimreifer Gerste erreicht. Die sehr gute Sortierung lässt hier einiges erwarten. Cytolyse: Friabilimeter und Viskosität sind in Ordnung. Eiweißgehalte liegen im normalen Bereich. Die Proteolyse ist normal. Die Farben zeigen sich wieder etwas heller. Problematisch kann die Ware werden, die noch beim Handel oder Bauern liegt und mit höheren Wassergehalten eingelagert wurde. Die Erhaltung der Keimenergie und der Gesundheit können noch ziemliche Probleme aufwerfen und die Mengenbilanz deutlich verknappen. Malzqualitäten bei Weizenmalz Die ersten Analysen sehen recht ordentlich aus. Die Malze sind gushingstabil. Wir vermälzen schwerpunktmäßig Süddeutsche Partien. Eine sorgfältige Prüfung durch Vormuster ist gleichwohl unabdingbar, da ungeeignete Qualitäten immer wieder angedient werden. Marktübersicht und Aussichten Die unterschiedlichen und teilweise miserablen Qualitäten verursachen einen Getreidetourismus quer durch Europa. Die Versorgungslage ist knapp. Entsprechend haben die Braugerstenpreise die Talfahrt der Weizenpreise nicht in dem Maße mit- gemacht. Waren wir im Frühjahr noch preisgleich bei Weizen und Braugerste, haben wir heute wieder einen sehr deutlichen Abstand. Dies zeigt wie sehr die Attraktivität von Braugerste gegenüber anderen Feldfrüchten verloren hat und es einen hohen Preis bedarf um unseren Rohstoff zu bekommen. Das gute Herbstwetter verführte die Bauern zur reichlichen Weizenaussaat. Die verbleibenden Flächen für Sommerungen werden vom Biogas- Mais dominiert werden. Leider hat der Mais die Wetterkapriolen dieses Jahr glänzend weggesteckt und den Bauern eine exzellente Maisernte beschert. Die Energiewende wird die Braugerste weiter an den Rand drängen, wenn nicht preislich dagegengehalten wird. Schwierig zu beurteilen sind die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Getreidemärkte. Es ist denkbar, dass sich die Anleger auf werthaltige Produkte wie z.B. Getreide be- sinnen. Grundnahrungsmittel wie Getreide ist auch in der Krise nicht zu ersetzten. Auf der anderen Seite sind die Märkte oft unberechenbar. Mit freundlichen Grüßen Friedrich Wurm zum Download und Ausdruck: >>>> erntebericht2011.pdf |